Fleißiger Autor

Udo Weinbörner kann sich über Langeweile ganz sicher nicht beklagen. Seine Termine – siehe hier – liegen dicht an dicht und erzeugen auch Resonanzen in Presse, Funk und Fernsehen. Und bei seinen Lesungen geht es nicht nur, aber immer wieder auch über unser gemeinsames Buchprojekt »Bei Sonnenaufgang sind wir zurück«:

Weinbörner, Udo, Bei Sonnenaufgang sind wir zurück

 

Gabriele Behrend: Der Besuch eines Vertrauten

Es war gestern Abend, so gegen halb zehn, als es an meiner Tür klingelte. Es war nicht die Wohnungstür, die lag im dritten Stock. Nein, dieses Klingeln gehörte zur Haustür im Erdgeschoss und zur Gegensprechanlage.
»Behrend?«
Ein Rascheln knisterte und knatterte durch die alten, brüchigen Leitungen des Hauses, das aus den Fünfzigerjahren stammte.
»Ist da wer?«
Eine weitere atmosphärische Störung kroch an mein Ohr. Dann aber klärten sich die phonetischen Elemente und eine androgyne Stimme ertönte.
»Spreche ich mit der Autorin? Gabriele Behrend?«
Ich stockte. Kälte kroch mir durch die Adern. Ich, eine Autorin? Dafür hatte ich doch viel zu lange nichts geschrieben, nichts entworfen, keine Welten gebaut, keine Konsequenzen gezogen, keinen Helden geopfert – kurzum: Ich hatte nichts getan, was Autoren so im Allgemeinen trieben.
»Ich weiß nicht«, stotterte ich also.
»Lassen Sie mich ein? Ich muss etwas mit Ihnen besprechen.«

Weiterlesen …

Das hat nicht jeder, kann nicht jeder, macht nicht jeder

Es gibt so viele Kleinverlage in Deutschland, dass es nicht leicht ist, den Überblick zu behalten. Das gilt sogar für den leicht einzugrenzenden Bereich fantastischer Literatur – gemeint: SF, Fantasy, Fantastik, Horror. Aber wir gehen davon aus, dass es nicht viele solcher Kleinverlage gibt, die einen ihrer Titel gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen (dzblesen.de) im Großdruck präsentieren können:

Siehe auch: hier.

Und nicht nur das – Heribert Kurth, unser Autor des Buches »Unter den Sternen von Tha«, hat sogar erreicht, dass sein Buch – bei uns erschienen als AndroSF 105 – auch in Braille-Kurzschrift erscheinen kann:

Siehe auch: hier.

Wir wollen es nicht übertreiben, aber das soll uns erst mal einer nachmachen …

Kürzest und bündigst

Monika Niehaus ist eine fleißige Autorin. Und Wiederholungstäterin. Ihre Kürzestgeschichten, die in den »Phantastischen Miniaturen« der Phantastischen Bibliothek Wetzlar erscheinen, spielen nicht nur in Donnas Kaschemme (siehe AndroSF 137), sondern auch im restlichen Universum. Und in den »Austern im Halbschlaf« finden sich nicht nur reine SF-Storys, sondern auch Geschichtchen, die einen leichten Fantasytouch abbekommen haben. Muss man nicht haben, kann man aber – und sollte man in diesem Fall. Denn während die »Geschichten aus Donnas Kaschemme« ihren Reiz aus der feststehenden Umgebung und der wohl eingeführten Mannschaft gewinnen, zeigen die »Austern« die ganze weitere Bandbreite der Autorin Monika Niehaus. Wie gesagt: Sollte man sich gönnen …

Niehaus, Monika, Austern im Halbschlaf

Besser gefunden

Die »Phantastischen Miniaturen« der Phantastischen Bibliothek zu Wetzlar sind inzwischen weithin bekannt. Zu bekommen sind sie immer noch schwierig. Die einfachste Möglichkeit ist ein umständlich per Hand auszufüllendes E-Mail-Formular auf der Website der Bibliothek. Aber es gibt auch Alternativen. Denn inzwischen sind verschiedene Bände mit Kollektionen der Kürzestgeschichten aus den »Miniaturen« in der p.machinery erschienen, da jedoch nicht nach den Themen zusammengestellt, sondern mit Bezug auf die Autoren. Monika Niehaus, Sabine Frambach, Kai Focke … und nun hat sich auch Bernd Schuh mit seiner Sammlung »IRRE REAL« dazugesellt. Und sein Buch ist deutlich einfacher zu bekommen: im Internet, im Buchhandel und letztlich im Buchladen der p.machinery (wenn man nicht einfach nur eine E-Mail schicken mag, was nach wie vor auch zum Erfolg führt).

Schuh, Bernd, IRRE REAL

Traurige Gedanken

Thomas Franke, verfasst am Sonntag, 17.07.2022:

Gestern! Gestern endete das Leben meines Freundes Herbert W. Franke. Gut: er ist 95 Jahre geworden, allerdings ist ein solches hohes Alter für uns Hinterbliebene kein Grund dafür, seinen Tod weniger schmerzhaft zu empfinden.

Diese Freundschaft mit Herbert war eine besondere, eigenartig intensive, eine kreative. 1976 lernten wir einander persönlich während eines europäischen Science-Fiction-Cons im polnischen Poznań kennen. Noch in der DDR Malerei und Grafik studierend, allerdings schon im Osten wie im Westen Deutschlands als Grafiker phantastischer und surrealer Sujets bekannt, erhielt ich den Auftrag vom Verlag Neues Leben, seinen Roman »Ypsilon minus« zu illustrieren, weil die Verlagsleute wußten, daß ich im Gegensatz zu vielen Künschtelerkollegen und –kolleginnen den Mut aufbrachte, die Dystopie eines Schriftstellers aus dem Westen zu illustrieren. Gut: Ich schoß damals über die intellektuell gesetzten Grenzen hinaus, was mein Leben in diesem Land kompliziert werden ließ.

In Herberts Haus durfte ich mit meiner damaligen Frau die ersten Tage nach meinem 1984 erfolgten Hinauswurf aus der DDR unterkriechen, er hatte die DM für mich gesammelt, die ich dem Außenhandelsministerium der DDR hinterzogen hatte, als mein Hinauswurf absehbar wurde, und er lenkte unsere ersten Schritte im Güldenen Westen durch München. Die Erfahrungen, die ich dort während der ersten drei Tage machte, prägten mein darauffolgendes Leben.

Seit Ende 2014 gestalte ich die Bände seiner bei p.machinery erscheinenden SF-Werkausgabe. Bisher schuf ich die Buchgestaltungen und alles buchgestalterische Beiwerk für seine Augen und meine Bildtitel späßelten immer auch mit seinem Intellekt. Jetzt muß ich mir einen neuen so wachen, gebildeten Geist wie es der seine war und neue Augen suchen, für die ich jene Werke schaffe, denn bei dieser Arbeit schaute er mir als unsichtbarer Freund, imaginär anwesend, bisher immer über die Schulter.

Diese Suche wird sich schwierig gestalten.

Ich weine.