Der dritte Hübner

Natürlich gibt es nur einen – es kann auch nur einen geben, wie beim »Highlander«. Aber man kann ihn teilen – besser gesagt: Man kann sein Werk teilen. Und das machen wir ja – inzwischen zum dritten Mal. Klaus Hübners neues Werk widmet sich Autoren und Literatur aus Bayern und in Bayern und um Bayern … nein, nur aus und in Bayern. Seine Besprechungen und Essays sind von hoher Qualität, wie man dies von diesem literarisch versierten Menschen gewohnt ist – und als besonderes Zuckerl gibt es oben drauf eine Sammlung von Sprachglossen, die unserem Verleger wie Öl runtergegangen sind und all die Leser ansprechen werden, die die deutsche Sprache nicht nur mit anglizistischem Blut und genderischem Schleim versaut sehen möchten.

Hübner, Klaus, BIERKÄMPFE, BAROCKENGEL UND ANDERE BAVARESKEN

Alt, aber aktuell – und jetzt neu als E-Book

Das Buch ist nicht neu – es erschien im August 2015, einige Wochen vor dem 25jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung. Heute, Ende Oktober 2020, einige Wochen nach dem 30jährigen Jubiläum dieser Wiedervereinigung, die nach dem Bekunden nicht weniger Menschen immer noch nicht vollendet sein soll, ist das Buch immer noch aktuell und erscheint ganz frisch und erstmals auch als E-Book.

Die Geschichte des Zaubi M. Saubert, der nach der Wende nach Halle an der Saale gegangen ist, um dort seinen Weg zu machen, ist heute so aktuell und frisch wie damals – als sich die Ereignisse abspielten und als das Buch erschien. »GO EAST« schildert ein Stück deutscher Geschichte, deutscher Wiedervereinigung. Das Buch schildert simple menschliche Schicksale, die die Welt nicht bewegten und die doch all das ausmachten und ausmachen, was um uns herum ist.

Das E-Book gibt es bis 10.11.2020 zum Sonderpreis von EUR 1,99 bei Amazon und allen anderen Verdächtigen, danach wird es zum Preis von EUR 7,49 zu erstehen sein.

Aus anderem Blickwinkel

Dieter Rieken ist Autor in unserem Verlag; sein Buch »Land unter« wurde hier natürlich schon erwähnt. Aber unser Autor interessiert sich auch für andere Bücher aus unserem Programm, und so möchten wir an dieser Stelle seine Rezension zu Gabriele Behrends »Salzgras & Lavendel« als Gastbeitrag veröffentlichen – mit seiner Erlaubnis selbstverständlich:

Douglas Hewitt ist in der Verwaltung von Acodis Inc. als »Datenarchäologe« tätig. Kaynee Simmons arbeitet im »Zenith«, einem Traumazentrum außerhalb der Stadt. Douglas ist im Ghetto unter »Wilden« geboren, die sich kein Implantat und »Persönlichkeitsset« leisten können. Nachdem er zur Waise wurde, erhielt er im Heim zumindest ein »Basisset«, das ihm ein sozialverträgliches Verhalten ermöglichen sollte. Kaynee dagegen hat ihr »Socket« gleich nach der Geburt implantiert bekommen und switcht nach Bedarf und Situation zwischen den vielen »Abspaltungen« ihrer künstlich erzeugten multiplen Persönlichkeit hin und her.

Die beiden leben im Zeitalter der »Effizienzdiversität«. Die in der Regel postnatal eingesetzten Implantate haben eine Gesellschaft hervorgebracht, die auf Effizienz getrimmt ist. Die Technik, die aus der Gamer-Szene hervorging, führte nicht nur zu einer Leistungssteigerung jedes Einzelnen, sondern ermöglicht es der großen Mehrheit auch, auf alle nur denkbaren Situation angemessen zu reagieren. So »kommen alle viel besser miteinander aus«, findet Kaynee.

Doch der äußere Schein trügt. Douglas zum Beispiel führt ein einsames und eintöniges Leben. Er wird von Ängsten und Zweifeln geplagt, die ihn bis in seine Träume verfolgen. Und dann begeht er – scheinbar aus heiterem Himmel – einen Mord. Um der Haft zu entgehen, bleibt ihm nur der Ausweg, sich ebenfalls eine multiple Persönlichkeit implantieren zu lassen. Im »Zenith« trifft er auf Kaynee, die seine »Patin« wird – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als ihre Hardware Fehler aufweist und sie die Kontrolle über sich verliert.

»Salzgras & Lavendel« spielt an einem unbestimmten Ort in der Zukunft, an dem »alles seinen ruhigen Gang« geht, während die Welt ringsum »an allen Ecken und Enden brennt«. Die Autorin streut nur wenige Hinweise auf klimatische Veränderungen und auf den technischen Fortschritt ein. Sie konzentriert sich auf die Frage, wie eine Gesellschaft aussähe, in der technische »Aufspaltungen« der Persönlichkeit – »neuronale Cluster« genannt – die Regel sind. Indem man Katy, Keira, Kandy, Kassy und Kaynees andere »Splits« in Aktion erlebt, hat man bereits nach wenigen Seiten einen lebhaften Eindruck davon, wie die Menschen im Alltag damit umgehen.

Am Beispiel von Douglas zeigt Gabriele Behrend, dass diese Technik für Menschen mit schweren Traumata ein Segen sein kann. Auf der anderen Seite stellt das Buch kritische Fragen: Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn eine solche Technik zur Norm wird, sie sich aber nicht jeder leisten kann? Wenn der öffentliche Frieden gefördert wird, aber niemand mehr eingreift, um Verbrechen zu verhindern? Was passiert, wenn die Technik versagt oder Fehler in ihrer Anwendung passieren? Wie würde der Staat reagieren, wenn ein Dogma ins Wanken gerät? Was die multiplen Persönlichkeiten betrifft, läuft der Roman auf die Frage hinaus, ob eine Separation – wie Kaynees »geordnetes Haus« – oder die Fusion der einzelnen Ich-Aspekte die richtige Antwort ist, um ein glückliches Leben zu führen.

Das alles packt die Autorin in eine Geschichte, die weder trocken noch langweilig ist. Dafür sorgen unter anderem die Nebenfiguren: der Techniker Sanders Mayerhoff, der neben seiner Arbeit im »Zenith« geheime Experimente durchführt und eifersüchtig auf Douglas ist; und Claire Paulson, die Leiterin des Traumazentrums, die als Spezialistin für »adulte Diversität« gilt – und die am bittersüßen Ende des Romans auf ganz unerwartete Weise zu Douglas’ Retterin wird.

Hier und da ist der Autorin beim Schreiben die Fantasie durchgegangen. Ein Meeting aller Ich-Aspekte im eigenen Kopf? Und im Kopf einer anderen Person? Das sind großartige Szenen, die noch dazu perfekt in die Dramaturgie passen. Sie erscheinen jedoch übertrieben.

In Stil und Sprache ragt das Buch deutlich aus der Masse der Science-Fiction-Literatur heraus. Die Verwendung des Präsenz’ schafft eine große Nähe zu den Protagonisten. Mit einfachen Mitteln gelingt es der Autorin jederzeit, den Leser durch die vielen Ich-Aspekte der Figuren zu lotsen, so dass man immer genau weiß, mit welchem man es gerade zu tun hat.

Für die zentrale Frage des Buchs – Separation oder Fusion? – findet Gabriele Behrend starke Bilder. Eine eindeutige Antwort sucht man vergebens. Wahrscheinlich, weil es keine gibt.

Quelle: https://deutsche-science-fiction.de/?p=5558

(K)eine Buchbesprechung im herkömmlichen Sinne

Schon vor geraumer Zeit hat Marianne Labisch sich das Buch »La Triviata« von Dirk C. Fleck vorgeknöpft, das in unserem Verlag erschienen ist – schon vor fast zwei Jahren, im November 2018. Das Buch ist immer noch aktuell, es wird immer noch gekauft – das liegt letztlich auch Dirk Flecks Namen, seinem Ruf, seiner Präsenz im Internet, die er zurückgefahren hat, die aber immer wieder aufflackert, vor allem in Videos bei Youtube (seine Hambürger Gespräche) und auf KenFM und ähnlichen Websites, die gerne in politisch unattraktive Ecken einsortiert werden.

Hier geht es um Mariannes außergewöhnliche Buchbesprechung, die auch nach der geraumen Weile seit ihrer Verfassung ebenso wenig an Aktualität und Bedeutung verloren hat, wie das Buch, um das es geht:

Marianne Labisch

(K)eine Buchbesprechung im herkömmlichen Sinne

Ein außergewöhnliches Buch verdient eine ebenso außergewöhnliche Besprechung. Eine, die vom klassischen Muster ebenso abweicht, wie der »Roman«, um den es geht. Denn ich werde hier die sonst sorgfältig bemühte Objektivität über Bord schmeißen und mich rein subjektiv zu diesem Buch äußern. Wahrscheinlich bin ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen, denn ich erwartete einen Roman. »Palmers Krieg« hatte mir sehr gut gefallen und ich hoffte auf eine ähnliche gute Unterhaltung. Und als im Vorwort »Der Duft der Achtziger« angekündigt wurde, war ich bereit, die Zeitreise anzutreten.

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Werkausgabe mit Haken

Der deutsche Lesemensch nimmt gemeinhin an, eine Werkausgabe erscheint posthum oder im angemessenen Alter eines Autors, jedenfalls aber nach Beendigung seiner schriftstellerischen Aktivitäten. Eine Werkausgabe posthum verlegen wir noch nicht; Herbert W. Franke, dessen »SF-Werkausgabe« bei uns erscheint, erfreut sich noch bester Gesundheit – und schreibt bisweilen sogar noch.

Tiny Stricker, selbst inzwischen 71 Jahre alt, schreibt auf jeden Fall immer noch. Und nicht wenig. Und das macht die Vermarktung seines neuesten Buches – »U-Bahn-Reiter« – als Teil seiner Werkausgabe ein wenig schwierig. Denn es ist eine Neuerscheinung, niegelnagelneu, noch nie veröffentlicht, wir haben es sozusagen als Erste.

Wer Tiny Strickers Werk kennt, wird auch dieses Buch goutieren – in der heutigen Zeit beschreibt der Roman Geschichten, die man gerade so nicht erleben kann, in der U-Bahn sowieso nicht. Und wer sein Werk noch nicht kennt, findet im »U-Bahn-Reiter« ganz sicher einen guten Einstieg.

SF oder nicht SF

Das ist keine Frage. Gabriele Behrends aktueller Roman »Salzgras & Lavendel« ist eindeutig eine Science-Fiction-Geschichte. Dennoch haben wir uns für eine Veröffentlichung ohne dieses Label entschieden. Die aktuelle SF-Kritik neigt derzeit dazu, sich auf Klischees zu verlegen – und deren Fehlen als negativen Kritikpunkt anzubringen. Und Gabriele Behrends Buch fehlt vieles, von dem die Kritik glaubt, dass es SF ausmacht: Aliens, richtig fremdartige Technik, Raumschiffe, Militärs, Schlachten, allgemein: Action. Und vermutlich wird dabei auch übersehen, dass die Figurenzeichnung in diesem Buch nahezu perfekt ist. Realistisch.

Denn darauf hat sich Gabriele Behrend in ihrem »Salzgras & Lavendel« verlegt: Auf die Schilderung ihrer Figuren, ihrer Psyche und der – modernen, fiktiven – Bewältigungsmöglichkeiten psychologischer Konflikt- und Grenzsituationen. Der Witz an ihrer Geschichte ist diese »Technik«. Und die aus vielfältigen Facetten »gebauten« Figuren.

Immer mehr verlassene Orte

Sebastian Schwarz ist ein Fotograf, dessen Spezialität verlassene Orte, sogenannte »Lost Places« sind (ein Begriff auch für Menschen, die peu à peu die Fähigkeit zur Bewältigung der deutschen Sprache verlieren). »Verlassene Orte«, das war bei p.machinery vor langer Zeit schon ein Thema (hier). Damals war es die Reaktion auf eine Ausgabe des HALLER, als er noch nicht zu p.machinery gehörte. Zahlreiche Storys fanden im HALLER keinen Platz und so entstand das erste Buch zu »verlassenen Orten«. Es entwickelte sich zu einem Verkaufsschlager, obwohl Sebastians Fotos seinerzeit nur hochkant und nur schwarz-weiß präsentiert wurden.

Das neue Buch mit dem Titel »DIE ZUKUNFT und andere verlassene Orte« (»Die Zukunft« ist Titel einer der enthaltenen Storys) ist der erste Teil eines Duos. Das Buch ist diesmal querformatig, um die nun farbigen Fotos von Sebastian richtig zur Geltung kommen zu lassen. Die Geschichten, die eingereicht wurden und die Gnade der Herausgeberin Corinna Griesbach fanden, waren so zahlreich, dass die Entscheidung für zwei Bände fiel. »DIE ZUKUNFT …« hat immerhin 292 Seiten Umfang. Die Geschichten haben nicht nur, aber häufig fantastischen Einschlag, sie werden auch Fantastik-Fans erfreuen.

Details zum Buch und vor allem ein Inhaltsverzeichnis finden sich hier.

Und leider ist zu vermelden, dass das Buch bereits Opfer von Büchermördern geworden ist; der Herr Verleger entlarvte hier.

Und nein, wir veröffentlichen die einzelnen Fotos nicht hier, nicht bei Facebook – da sowieso nicht mehr –, nicht bei Instagram, pinterest, Tinder oder MySpace. Nirgendwo. Wer die Fotos sehen möchte, der kaufe sich ein Buch. Wer auf Fotos »verlassener Orte« steht, der kaufe sich zwei Bücher, entpuppe sich als Büchermörder und verschönere sein Heim mit den Fotos in ansprechenden Bilderrahmen.

Wir haben es gesagt

Ja, haben wir. Da kommt noch mehr, haben wir gesagt. Und sogleich ist es auch so weit: Band 2 der auf vier Bände ausgelegten Reihe »Kein Twitter, kein Facebook | Von Menschen, Büchern und Bildern« liegt vor. Und diesmal war die Arbeit am Titelbild deutlich schwieriger als beim ersten Band. Bilder von alttestamentarischen Aphoristikern waren ebenso wenig zu finden wie solche mit siebenundsiebzig Geschwistern. Pferdekutschen im Prater hätten wir vielleicht noch hinbekommen, und vielleicht sogar Habsburg in Flammen … wir hätten ja nur behaupten müssen, die Burg, die wir da angezündet haben, hieße Habsburg. Wir haben uns dann für ein Kaffeehaus entschieden, das Österreich repräsentiert; und ein Abbild von Zürich steht für die Schweiz. Die beiden Speisen im Titel sollten nicht fehlen – und hier erwies sich ausgerechnet das »Röschti« (oder korrekt »Rösti«) als besonderes Problem. Man kann nun vom Titelbild halten, was man mag – im Inneren geht es um Gegenwartsliteratur aus Österreich und der Schweiz, und einmal mehr sind die Österreicher und die Schweizer, um die es geht, nicht alle wirklich original …