Der DSFP mal anders

2020 ist ein Jahr der Veränderungen. Nichts ist, wie es war. Auch der Deutsche Science-Fiction-Preis 2020 präsentiert sich anders. Und da p.machinery nicht nur NOVA verlegt, sondern mit der Ausgabe 28 auch den Kurzgeschichtenpreis 2020 für Tom Turtschis Story »Don’t Be Evil« eingeheimst hat, erlauben wir uns, hier das Verleihungsvideo als Ersatz der sonst live stattfindenden DSFP-Preisverleihung zu präsentieren. Mit Laudatiolesung. Und Videobeitrag von Tom höchstselbst. Sehenswert.

60 Jahre ist das her

Ja, auch das ist schon wieder 60 Jahre her. Vor 60 Jahren hat Herbert W. Franke ein Problem des Goldmann-Verlags gelöst, indem er kurzerhand eine Geschichte schrieb: »Der grüne Komet«. Und nicht nur diese eine Geschichte, sondern gleich eine ganze Monografie (so nennt man das statt dem neudeutschen »Collection«; »Sammlung« ginge auch, ist aber nicht so eindeutig).

Auf www.art-meets-science.info wurde dieses Jubiläums gedacht – und bei p.machinery wird es dazu auch noch etwas Besonderes geben. Bleiben Sie gespannt.

Nebenbei: Infos zum Buch aus unserer »SF-Werkausgabe Herbert W. Franke« finden sich hier.

Keine Langeweile

Keine Langeweile sollte in dieser Anthologie aus dem STORY-CENTER-Publiversum aufkommen, auch wenn es in der Tat langsam langweilig wird, von »gut abgehangenen« Kurzgeschichtensammlungen zu berichten. Diese verzögernden Umstände sind auch bei »PYROMANIA. DAS WELTENBRENNEN« zum Tragen gekommen, was hier dazu geführt hat, dass drei der zwölf Geschichten keine Erstveröffentlichungen sind: Detlef Klewers »Mammons Diener« erschien in einer Anthologie des Eridanus-Verlags, und die Storys von Victor Boden und Marc Späni hatten wir schon in NOVA präsentieren dürfen. Der Qualität dieser – und natürlich der anderen – Geschichten ist dies freilich nicht abträglich. Und der Herausgeber ging mit uns konform, dass es keinen Grund gab, die Storys deshalb nicht in »PYROMANIA« zu präsentieren.

Voilà!

Ein echter Brocken

… ist Petra Jörns’ »Fremde Heimat«, das wir aktuell mit 544 Seiten auf den Markt geworfen haben.

Das Bemerkenswerte an dem Buch:

  • Das Manuskript datiert von 2012.
  • Es ist eines der ersten SF-Bücher von Petra Jörns, das unter ihrem bürgerlichen Namen und nicht (mehr) unter einem Pseudonym erscheint. Ursprünglich sollte »Fremde Heimat« unter dem Namen P. E. Jones erscheinen – das ist nun passé.
  • Das Titelbild stammt von Crossvalley Smith, der auch mehr als fünf Jahre nach seinem überraschenden Abschied aus dieser Welt noch bestens bekannt sein dürfte. Seine Werke sind auch heute noch im Internet zu finden, und die Zahl der Bücher von p.machinery, deren Titelbilder von ihm stammen, ist sicher zweistellig.

Die Geschichte, die Petra Jörns hier vorgelegt hat, ist eine Space Opera in bestem Sinne. Es geht aber nicht um Raumschlachten – außer ganz am Anfang, quasi als Grundlage der Geschichte –, sondern um Menschen und die humanoiden Aliens der Krail-on, um unterschiedliche Kulturen, um den Umgang mit Fremden und deren Besonderheiten, und letztlich um Feindschaften, aber auch um Freundschaften.

Schwester, Bruder oder Kind?

Über die Familienverhältnisse zwischen p.machinery und dem SF-Magazin NOVA machen wir uns freilich keine Gedanken – wozu auch? NOVA ist ein p.machinery-Baby, und nur weil NOVA eine eigene Website hat, heißt das nicht, dass wir nicht drüber schreiben, wenn eine neue Ausgabe erschienen ist. Wie es nun der Fall ist. Details zur Ausgabe 29 finden sich hier. Oder wer nicht weiterklicken mag, kann auch hier gleich weiterlesen:

Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.)
NOVA Science-Fiction
Ausgabe 29
p.machinery, Winnert, August 2020, 220 Seiten, Paperback
ISSN 1864 2829
ISBN 978 3 95765 205 8 – EUR 16,90 (DE)
E-Book: ISBN 978 3 95765 885 2 – EUR 8,49 (DE)

Die Storys, wie immer vom Feinsten:
* Tino Falke: Im Bärental
* T. Elling: Die letzte Jungfrau
* Tom Turtschi: Die Pinocchio-Abteilung
* J. A. Hagen: Das Ebenbild
* Moritz Greenman: Spiegelzeit
* Uwe Post: … und mir wird nichts mangeln
* Frank Hebben: Am letzten Tag
* Norbert Stöbe: Expedition 13b/Regalis
* Peter Stohl: Keine Maßnahmen erforderlich
* Martin Wambsganß: Geifer

Mit einer Gaststory aus Kanada von
* Louis B. Shalako: Anna

Der Sekundärteil mit dem Schwerpunkt Simulationshypothese:
* Thomas A. Sieber: Die ultimative Verschwörungshypothese
* Erfan Kasraie: Science-Fiction, philosophische Hypothese oder Bullshit? Eine philosophische Untersuchung der Simulationshypothese
* Fabian Vogt: Die beste aller Simulationen. Ein theologischer Streifzug durch die Möglichkeit der Wirklichkeit
* Wolfgang Mörth: Die Gummiwelt-Illusion

Mit Nachrufen auf:
* Karl Smith: Erinnerung an Syd Mead 1933–2019
* Cory Doctorow: RIP Mike Resnick

sowie einem Vorwort vom Verleger, einem Geständnis des Grafikredakteurs, einem Titelbild von Lothar Bauer und Illustrationen von Gerd Frey, Christian Günther, Detlef Klewer, Victoria Sack, Christine Schlicht, Si-yü Steuber und Michael Wittmann.

Immer mehr verlassene Orte

Sebastian Schwarz ist ein Fotograf, dessen Spezialität verlassene Orte, sogenannte »Lost Places« sind (ein Begriff auch für Menschen, die peu à peu die Fähigkeit zur Bewältigung der deutschen Sprache verlieren). »Verlassene Orte«, das war bei p.machinery vor langer Zeit schon ein Thema (hier). Damals war es die Reaktion auf eine Ausgabe des HALLER, als er noch nicht zu p.machinery gehörte. Zahlreiche Storys fanden im HALLER keinen Platz und so entstand das erste Buch zu »verlassenen Orten«. Es entwickelte sich zu einem Verkaufsschlager, obwohl Sebastians Fotos seinerzeit nur hochkant und nur schwarz-weiß präsentiert wurden.

Das neue Buch mit dem Titel »DIE ZUKUNFT und andere verlassene Orte« (»Die Zukunft« ist Titel einer der enthaltenen Storys) ist der erste Teil eines Duos. Das Buch ist diesmal querformatig, um die nun farbigen Fotos von Sebastian richtig zur Geltung kommen zu lassen. Die Geschichten, die eingereicht wurden und die Gnade der Herausgeberin Corinna Griesbach fanden, waren so zahlreich, dass die Entscheidung für zwei Bände fiel. »DIE ZUKUNFT …« hat immerhin 292 Seiten Umfang. Die Geschichten haben nicht nur, aber häufig fantastischen Einschlag, sie werden auch Fantastik-Fans erfreuen.

Details zum Buch und vor allem ein Inhaltsverzeichnis finden sich hier.

Und leider ist zu vermelden, dass das Buch bereits Opfer von Büchermördern geworden ist; der Herr Verleger entlarvte hier.

Und nein, wir veröffentlichen die einzelnen Fotos nicht hier, nicht bei Facebook – da sowieso nicht mehr –, nicht bei Instagram, pinterest, Tinder oder MySpace. Nirgendwo. Wer die Fotos sehen möchte, der kaufe sich ein Buch. Wer auf Fotos »verlassener Orte« steht, der kaufe sich zwei Bücher, entpuppe sich als Büchermörder und verschönere sein Heim mit den Fotos in ansprechenden Bilderrahmen.

Interessante Verbindungen

Selten gab es einen sogenannten Klappentext (der ja eigentlich auf der Buchrückseite steht, also ein Buchrückseitentext ist), der so klar, eindeutig und ehrlich war:

»Was hat Zukunft mit der Vergangenheit zu tun?
Was haben Heimat und SF gemeinsam?
Welche Zukunft hat Heimat?
Und kann Zukunft zur Heimat werden?
Mit diesem Buch will ich keine Antworten geben, sondern zum Nachdenken anregen und zum Widerspruch inspirieren!«
[Mike Weisser]

Die zentrale Frage, was Heimat und SF gemeinsam haben, wird auf interessante und mitunter überraschende Weise beantwortet.