Keine Seltenheit

Kneipengeschichten sind in der SF-Literatur durchaus keine Seltenheit. Jörg Weigand erwähnt in seinem Nachwort Arthur C. Clarke, L. Sprague de Camp und Fletcher Pratt. Wir hätten hier aus deutschen Landen noch Axel Kruse mit Joaquins Bar nachzureichen. Aber Monika Niehaus’ Kneipenstorys besitzen zwei Unterschiede: Sie spielen alle in der Kneipe, auch wenn manchmal Geschichten erzählt werden; diese Geschichten stehen jedoch nicht eigenständig da, sondern werden eben in der Kneipe von den anwesenden Gästen erzählt. Und die Storys sind allesamt kurz – nicht zuletzt, weil sie vorrangig für die »Miniaturen« der Phantastischen Bibliothek Wetzlar geschrieben und nur in einigen wenigen Fällen auch für andere Projekte – und nicht selten für unseren Verlag – verfasst wurden. Letztlich ist das Killerkriterium für diese Geschichten die Tatsache, dass die ganze Kneipenbagage ein knuffiger, lustiger Haufen ist, bei dem Amüsement während der Lektüre ein Garantiesiegel trägt.

Niehaus, Monika, Geschichten aus Donnas Kaschemme

Programmatik für Durchgeknallte

Der Untertitel ist Programm dieses Buches: »Eine Abrechnung mit Verschwörungstheorien« ist das, was der Berliner Autor Kristjan Knall – ein Pseudonym, klar; aber unter dem ist er durchaus bekannt. https://de.wikipedia.org/wiki/Kristjan_Knall Und was er in seinem Buch dem griechischen Urphilosophen Platon in den Mund legt, hat durchaus naheliegende Hand und logischen Fuß. Xavier Naidoo wird erwähnt und spielt eine Rolle, Attila Hildmann noch nicht, und auch unsere heiß geliebte Seuche hatte zum Entstehungszeitpunkt des Buches ihre Premiere noch vor sich. Aber das ist auch nicht wichtig. Verschwörungstheorien gab es schon immer und wird es immer wieder geben: gestern, jetzt, morgen, immer. Und um was genau sie sich drehen, ist letztlich nur Aufhänger für das, was man solchen Theorien entgegenbringen sollte: Spott, Häme, Sarkasmus, Satire, im besten und publikumswirksamsten Falle Kabarett. Oder so ein Buch.

Knall, Krischan, PLATON SIEHT CHEMTRAILS

Alles andere als krank

… sind die Storys in diesem Buch. Die Aufgabenstellung der beiden Herausgeber, SF-Geschichten zu psychischen Erkrankungen, die mit F-Codes bezeichnet werden, zu schreiben, haben die Autoren mit erkennbaren Schwerpunkten auf typischen Symptomen, aber mit einer durchaus vorhandenen Bandbreite über alle F-Diagnosen erfüllt. Der eigentliche Mehrwert des hochwertig gestalteten Buches sind – neben den fantastischen und seitenfüllenden Illustrationen von Mario Franke und Uli Bendick (bisweilen auch als Gemeinschaftswerke zustande gekommen) – die »diagnostischen Kommentare« des einschlägig ausgebildeten Michael Tinnefeld. Man liest nicht einfach nur Geschichten über – vermeintlich – durchgeknallte Figuren in mitunter ebenso durchgedrehten Szenarien, man erfährt auch etwas über das, was unter den Erkrankungen und ihren Symptomen zu verstehen ist.

Wir erfüllen mit diesem Buch nicht nur einen Wunsch der Herausgeber, die die Idee zu dieser Anthologie hatten und sie zielstrebig zur Vollendung auf den Verlagsschreibtisch brachten. Wir erfüllen auch eine typische Aufgabe eines Verlages, einerseits für Unterhaltung, andererseits aber auch für (Weiter-) Bildung zu sorgen. Und das hat Spaß gemacht. Sagt der Verleger.

Tinnefeld, Michael & Bendick, Uli (Hrsg.): DIAGNOSE|F

Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden

Aufruf

Der Verein Deutsche Sprache e. V. fordert alle Freunde der deutschen Sprache auf, den aktuellen Bestrebungen der Dudenredaktion zu einem Umbau der deutschen Sprache entgegenzutreten. So wird auf den Internetseiten des Duden das in der deutschen Grammatik und im modernen Sprachgebrauch fest verankerte generische Maskulinum abgeschafft: „Mieter: Substantiv, maskulin – männliche Person, die etwas gemietet hat.“ Frauen könnten demnach keine Mieter sein. Damit widerspricht der Duden nicht nur den Regeln der deutschen Grammatik, sondern auch dem Bundesgerichtshof, der im März 2018 letztinstanzlich festgehalten hat, dass mit der Bezeichnung „der Kunde“ Menschen jeglichen Geschlechts angesprochen seien. Die Beschwerde der Klägerin, die von ihrer Sparkasse mit „Kundin“ angeredet werden wollte, wurde kürzlich vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Mit seiner Ankündigung, mehr als 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen mit weiblicher und männlicher Form in die Netz-Version des Werkes aufzunehmen, betreibt der Duden eine problematische Zwangs-Sexualisierung, die in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist. Das biologische Geschlecht (Sexus) ist nicht mit dem grammatikalischen Geschlecht (Genus) gleichzusetzen. „Der Engel“ ist geschlechtslos, „der Scherzkeks“ kann auch eine Frau sein. Noch absurder wird das Vorgehen bei der Betrachtung des Plurals: „Die Ärztekammer“ vertritt Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen, ebenso wie das Finanzamt Geld vom „Steuerzahler“ einzieht – unabhängig vom Geschlecht. Wenn wir konkrete Personen ansprechen, sagen wir selbstverständlich „Ärztin“ oder „Lehrerin“.

Indem er diese Grundsätze missachtet, ist der Duden auf dem Weg, seine Rolle als Standard-Referenzwerk für das Deutsche aufzugeben. Indem er Sprache nicht mehr nur widerspiegelt, sondern sie aktiv verändert, widerspricht er seinen eigenen Grundsätzen. Der VDS fordert deshalb den Duden auf, seine Sexualisierungspläne zu überdenken, in Zukunft sensibler und behutsamer mit der deutschen Sprache umzugehen, und sich auf seine ursprünglichen Ziele zu besinnen.

https://vds-ev.de/allgemein/aufrufe/rettet-die-deutsche-sprache-vor-dem-duden/

Hoffentlich liest der Stricker jetzt!

Nach der Verschiebung wegen der Seuche: Tiny Stricker liest wieder. Am 22.01.2021 ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten des MLb, des Münchner Literaturbüros (Milchstr. 4, 81667 München). »Tiny Stricker liest Auszüge aus der Erzählung ›Vom Gehen in griechischen Städten‹ von 2017 und dem schon 2020 erschienenen München-Buch ›U-Bahn-Reiter‹ sowie aus dem noch unfertigen Manuskript ›Hotel Amir Kabir oder Die Wege der Hippies‹.

Das erste Buch handelt von fünf Jahren in Thessaloniki und dem gar nicht so leichten ›Gehen in griechischen Städten‹. ›U-Bahn-Reiter‹ ist eine Roadnovel durch München mit der U-Bahn als adäquatem Reisegefährt. ›Hotel Amir Kabir oder Die Wege der Hippies‹ schließlich beschreibt einen Roadtrip, der vom Hotel Amir Kabir in Teheran und einer Gruppe von Gästen dort ausgeht und am Ende wieder dorthin zurückkehren soll.«

Soweit die Info auf der MLb-Website (hier; man muss ein wenig blättern).

Gute Wahl will Weile haben

Der erste Band, den Frank G. Gerigk Rainer Erler widmete, war leicht zusammengestellt. Rainers SF-Œuvre ist übersichtlich und so war das Buch die Darstellung seines kurzgeschichtlichen SF-Gesamtwerkes.

Jörg Weigand ist da ein anderes Kaliber, und so bedurfte die sorgfältige Auswahl der Geschichten für diesen zweiten Band der Reihe »Die Welten der SF« eines größeren Aufwands, verbunden auch mit einigen technischen Problemstellungen, die den letztlichen Veröffentlichungserfolg aber nicht verhindern konnten. Und so präsentieren wir nun »Die Welten des Jörg Weigand« …

Gerigk, Frank G. (Hrsg.), Die Welten des Jörg Weigand

Noch eine vierte Lesung

Fast wäre uns das durch die Lappen gegangen: Im Februar 2020 erschien »Tales of Science«, die von Marianne Labisch und Christine Neuy herausgegebene Sammlung von »Zukunftsgeschichten aus der Mikrosystemtechnik«. In der vierten Lesung liest Herausgeberin Marianne Labisch die Story »Kleines Cleverle« von Moustafa Nawito.

 

Steampunk mit finsterer Maserung

Einmal mehr beehrt und Detlef Klewer, kongenialer Grafiker und Herausgeber, mit einer seiner Anthologien. Diesmal treffen die Steampunk-Plots der beteiligten Autoren auf die Phänomene und Ungeheuerlichkeiten lovecraftscher Universen, und der Herausgeber höchstselbst hat es sich nicht nehmen lassen, die Geschichten mit seinen Werken zu illustrieren.

Klewer, Detlef (Hrsg.), NECROSTEAM