Die Reise geht weiter

Vor zweieinhalb Monaten hat Herbert W. Franke unsere Welt verlassen. Die Vollendung seiner Werkausgabe in der p.machinery hat er nun nicht mehr erlebt. Aber auch wenn er gegangen ist – sein Werk hat er uns hinterlassen, und unsere Werkausgabe wird ohne Zweifel fortgesetzt. Aktuell erscheinen zwei Titel – und die Reise geht weiter …

Franke, Herbert W., TRANSPLUTO

Franke, Herbert W., KEINE SPUR VON LEBEN …

 

Der GEDANKENverNETZer: Herbert W. Franke (1927–2022)

Der GEDANKENverNETZer um 1960, 33jährig (Archiv JvS)

Unter diesem Titel hat Jürgen vom Scheidt einen sehr schönen und sehr ausführlichen Nachruf auf unseren kürzlich verstorbenen Herbert W. Franke veröffentlicht. Schwer lesenswert.

Herbert W. Franke, 95jährig, im Mai 2022 bei der Eröffnung seiner Ausstellung »Visionär« in Linz (Foto: Francisco Carolinum)

Traurige Gedanken

Thomas Franke, verfasst am Sonntag, 17.07.2022:

Gestern! Gestern endete das Leben meines Freundes Herbert W. Franke. Gut: er ist 95 Jahre geworden, allerdings ist ein solches hohes Alter für uns Hinterbliebene kein Grund dafür, seinen Tod weniger schmerzhaft zu empfinden.

Diese Freundschaft mit Herbert war eine besondere, eigenartig intensive, eine kreative. 1976 lernten wir einander persönlich während eines europäischen Science-Fiction-Cons im polnischen Poznań kennen. Noch in der DDR Malerei und Grafik studierend, allerdings schon im Osten wie im Westen Deutschlands als Grafiker phantastischer und surrealer Sujets bekannt, erhielt ich den Auftrag vom Verlag Neues Leben, seinen Roman »Ypsilon minus« zu illustrieren, weil die Verlagsleute wußten, daß ich im Gegensatz zu vielen Künschtelerkollegen und –kolleginnen den Mut aufbrachte, die Dystopie eines Schriftstellers aus dem Westen zu illustrieren. Gut: Ich schoß damals über die intellektuell gesetzten Grenzen hinaus, was mein Leben in diesem Land kompliziert werden ließ.

In Herberts Haus durfte ich mit meiner damaligen Frau die ersten Tage nach meinem 1984 erfolgten Hinauswurf aus der DDR unterkriechen, er hatte die DM für mich gesammelt, die ich dem Außenhandelsministerium der DDR hinterzogen hatte, als mein Hinauswurf absehbar wurde, und er lenkte unsere ersten Schritte im Güldenen Westen durch München. Die Erfahrungen, die ich dort während der ersten drei Tage machte, prägten mein darauffolgendes Leben.

Seit Ende 2014 gestalte ich die Bände seiner bei p.machinery erscheinenden SF-Werkausgabe. Bisher schuf ich die Buchgestaltungen und alles buchgestalterische Beiwerk für seine Augen und meine Bildtitel späßelten immer auch mit seinem Intellekt. Jetzt muß ich mir einen neuen so wachen, gebildeten Geist wie es der seine war und neue Augen suchen, für die ich jene Werke schaffe, denn bei dieser Arbeit schaute er mir als unsichtbarer Freund, imaginär anwesend, bisher immer über die Schulter.

Diese Suche wird sich schwierig gestalten.

Ich weine.

Herbert W. Franke zum Geburtstag

Herbert W. Franke feiert heute seinen 95. Geburtstag. Wir gratulieren — auch im Namen der Mitherausgeber der SF-Werkausgabe, Hans Esselborn und Ulrich Blode, sowie des Grafikkünstlers Thomas Franke — von ganzem Herzen, verbunden mit den besten Wünschen. Nebst einem Video präsentieren wir gerne einen ausführlichen Text des Francisco Carolinum, dem Museum für Fotografie und Medienkunst in Linz: hier.

Herbert W. Franke VISIONÄR

 

VISIONÄR – Herbert W. Frankes Ausstellung in Linz

Anlässlich des 95. Geburtstags des Medienkunstpioniers Herbert W. Franke würdigt die oberösterreichische Landes-Kultur GmbH sein Leben und außergewöhnliches Werk mit einer Ausstellung im Linzer Francisco Carolinum. Franke ist ein Pionier in vielen Welten, ein Grenzgänger zwischen Kunst und Wissenschaft, ein Forscher und Philosoph, der in zahlreichen Disziplinen sehr frühe und entscheidende Leistungen erbracht hat.

Herbert W. Franke VISIONÄR
Ausstellung im Franscisco Carolinum
Linz | Österreich
30.März – 12.Juni 2022

29.März 2022 – 19 Uhr
Eröffnung mit dem Landeshauptmann von Oberösterreich, Thomas Stelzer.

Es ist eine Anmeldung zur Eröffnung erforderlich mit dem Kennwort VISIONÄR
unter: anmeldung@ooelkg.at

Als Computerkünstler der ersten Stunde experimentierte er 1952 zunächst mit generativer Fotografie. Ab den sechziger Jahren nutzte er die ersten Großrechner für seine abstrakte „algorithmische“ Kunst nach mathematischen Prinzipien. 1979 war Franke Mitbegründer der Ars Electronica und in den 2000er Jahren ein Vordenker des Metaverse, mit seiner 3D-Welt „Z-Galaxy“, einem Areal wechselnder Ausstellungen auf der Internet-Plattform Active Worlds.

Das umfangreiche Werk beruht gleichermaßen auf der Rationalität des Forschers wie auf der Kreativität des Künstlers. Diesem außergewöhnlichen Brückenschlag zwischen Kunst und Wissenschaft und der enormen Imaginationskraft widmet sich die Ausstellung: von der Bildenden Kunst bis zur Science-Fiction, von der Schönheit der Mathematik bis zur Höhlenforschung.

Wunderland Science-Fiction

Susanne Päch, Chefin des Internetsenders HYPERRAUM.TV (Website | Youtube) hat einen weiteren Teil der Lesung Herbert W. Frankes mit Weltraumlyrik aus dem Zyklus »Astropoeticon« zu einem multimedialen Flug durch Raum und Zeit gestaltet. Das kongeniale Video schafft den freien Raum, losgelöst von der Wirklichkeit um uns herum, der uns im Wunderland der visuell-auditiven Assoziationen den frei fliegenden Gedanken folgen lässt. Wundervolle Bilder, untermalt von Musik und den lyrischen Worten Herbert W. Frankes, zeigen Science-Fiction in einer klaren Eindeutigkeit, wie sie in dieser Form zwischen Dystopien und Literaturpunkströmungen selten geworden ist.

Astropoeticon zum Jahreswechsel