Ein echter Brocken

… ist Petra Jörns’ »Fremde Heimat«, das wir aktuell mit 544 Seiten auf den Markt geworfen haben.

Das Bemerkenswerte an dem Buch:

  • Das Manuskript datiert von 2012.
  • Es ist eines der ersten SF-Bücher von Petra Jörns, das unter ihrem bürgerlichen Namen und nicht (mehr) unter einem Pseudonym erscheint. Ursprünglich sollte »Fremde Heimat« unter dem Namen P. E. Jones erscheinen – das ist nun passé.
  • Das Titelbild stammt von Crossvalley Smith, der auch mehr als fünf Jahre nach seinem überraschenden Abschied aus dieser Welt noch bestens bekannt sein dürfte. Seine Werke sind auch heute noch im Internet zu finden, und die Zahl der Bücher von p.machinery, deren Titelbilder von ihm stammen, ist sicher zweistellig.

Die Geschichte, die Petra Jörns hier vorgelegt hat, ist eine Space Opera in bestem Sinne. Es geht aber nicht um Raumschlachten – außer ganz am Anfang, quasi als Grundlage der Geschichte –, sondern um Menschen und die humanoiden Aliens der Krail-on, um unterschiedliche Kulturen, um den Umgang mit Fremden und deren Besonderheiten, und letztlich um Feindschaften, aber auch um Freundschaften.

Schwester, Bruder oder Kind?

Über die Familienverhältnisse zwischen p.machinery und dem SF-Magazin NOVA machen wir uns freilich keine Gedanken – wozu auch? NOVA ist ein p.machinery-Baby, und nur weil NOVA eine eigene Website hat, heißt das nicht, dass wir nicht drüber schreiben, wenn eine neue Ausgabe erschienen ist. Wie es nun der Fall ist. Details zur Ausgabe 29 finden sich hier. Oder wer nicht weiterklicken mag, kann auch hier gleich weiterlesen:

Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.)
NOVA Science-Fiction
Ausgabe 29
p.machinery, Winnert, August 2020, 220 Seiten, Paperback
ISSN 1864 2829
ISBN 978 3 95765 205 8 – EUR 16,90 (DE)
E-Book: ISBN 978 3 95765 885 2 – EUR 8,49 (DE)

Die Storys, wie immer vom Feinsten:
* Tino Falke: Im Bärental
* T. Elling: Die letzte Jungfrau
* Tom Turtschi: Die Pinocchio-Abteilung
* J. A. Hagen: Das Ebenbild
* Moritz Greenman: Spiegelzeit
* Uwe Post: … und mir wird nichts mangeln
* Frank Hebben: Am letzten Tag
* Norbert Stöbe: Expedition 13b/Regalis
* Peter Stohl: Keine Maßnahmen erforderlich
* Martin Wambsganß: Geifer

Mit einer Gaststory aus Kanada von
* Louis B. Shalako: Anna

Der Sekundärteil mit dem Schwerpunkt Simulationshypothese:
* Thomas A. Sieber: Die ultimative Verschwörungshypothese
* Erfan Kasraie: Science-Fiction, philosophische Hypothese oder Bullshit? Eine philosophische Untersuchung der Simulationshypothese
* Fabian Vogt: Die beste aller Simulationen. Ein theologischer Streifzug durch die Möglichkeit der Wirklichkeit
* Wolfgang Mörth: Die Gummiwelt-Illusion

Mit Nachrufen auf:
* Karl Smith: Erinnerung an Syd Mead 1933–2019
* Cory Doctorow: RIP Mike Resnick

sowie einem Vorwort vom Verleger, einem Geständnis des Grafikredakteurs, einem Titelbild von Lothar Bauer und Illustrationen von Gerd Frey, Christian Günther, Detlef Klewer, Victoria Sack, Christine Schlicht, Si-yü Steuber und Michael Wittmann.

Immer mehr verlassene Orte

Sebastian Schwarz ist ein Fotograf, dessen Spezialität verlassene Orte, sogenannte »Lost Places« sind (ein Begriff auch für Menschen, die peu à peu die Fähigkeit zur Bewältigung der deutschen Sprache verlieren). »Verlassene Orte«, das war bei p.machinery vor langer Zeit schon ein Thema (hier). Damals war es die Reaktion auf eine Ausgabe des HALLER, als er noch nicht zu p.machinery gehörte. Zahlreiche Storys fanden im HALLER keinen Platz und so entstand das erste Buch zu »verlassenen Orten«. Es entwickelte sich zu einem Verkaufsschlager, obwohl Sebastians Fotos seinerzeit nur hochkant und nur schwarz-weiß präsentiert wurden.

Das neue Buch mit dem Titel »DIE ZUKUNFT und andere verlassene Orte« (»Die Zukunft« ist Titel einer der enthaltenen Storys) ist der erste Teil eines Duos. Das Buch ist diesmal querformatig, um die nun farbigen Fotos von Sebastian richtig zur Geltung kommen zu lassen. Die Geschichten, die eingereicht wurden und die Gnade der Herausgeberin Corinna Griesbach fanden, waren so zahlreich, dass die Entscheidung für zwei Bände fiel. »DIE ZUKUNFT …« hat immerhin 292 Seiten Umfang. Die Geschichten haben nicht nur, aber häufig fantastischen Einschlag, sie werden auch Fantastik-Fans erfreuen.

Details zum Buch und vor allem ein Inhaltsverzeichnis finden sich hier.

Und leider ist zu vermelden, dass das Buch bereits Opfer von Büchermördern geworden ist; der Herr Verleger entlarvte hier.

Und nein, wir veröffentlichen die einzelnen Fotos nicht hier, nicht bei Facebook – da sowieso nicht mehr –, nicht bei Instagram, pinterest, Tinder oder MySpace. Nirgendwo. Wer die Fotos sehen möchte, der kaufe sich ein Buch. Wer auf Fotos »verlassener Orte« steht, der kaufe sich zwei Bücher, entpuppe sich als Büchermörder und verschönere sein Heim mit den Fotos in ansprechenden Bilderrahmen.

Interessante Verbindungen

Selten gab es einen sogenannten Klappentext (der ja eigentlich auf der Buchrückseite steht, also ein Buchrückseitentext ist), der so klar, eindeutig und ehrlich war:

»Was hat Zukunft mit der Vergangenheit zu tun?
Was haben Heimat und SF gemeinsam?
Welche Zukunft hat Heimat?
Und kann Zukunft zur Heimat werden?
Mit diesem Buch will ich keine Antworten geben, sondern zum Nachdenken anregen und zum Widerspruch inspirieren!«
[Mike Weisser]

Die zentrale Frage, was Heimat und SF gemeinsam haben, wird auf interessante und mitunter überraschende Weise beantwortet.

Unser drittes Audiobook

Unserem neunundneunzigsten AndroSF-Titel wurde ein Audiobook (vulgo: Hörbuch) gegönnt:

Axel Kruse
LVDOWIGVS von Lüttelnau
AndroSF 99
p.machinery, Winnert, Juli 2020, 118 Seiten
ISBN 978 3 95765 203 4 – EUR 7,99 (DE)

Sprecherin: Linda Mikulec
Produktion: Oliver Kels Music, Korschenbroich
Laufzeit: 190 Min. (3:10:30)

Wenn das Wasser steigt …

… sollte man wissen, mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist. – Ja, diese Einleitung hat mit dem Buch »Land unter« von Dieter Rieken eigentlich nichts zu tun. Oder doch. Naja, nicht viel. Obwohl, vielleicht …

Wie auch immer: Die Geschichte ist eine Mischung. Sie hat ein eindeutiges SF-Element: Dank eines massiven Anschlags sind die Deiche gebrochen und Norddeutschland ist abgesoffen. Nicht ganz. Aber großteils. Jedenfalls so, dass es nicht mehr wirklich bewohnbar ist. Oder doch.
Grund ist der Aktienmarkt. Geldgier. Gier überhaupt. Aktienmanipulationen. Dubiose Geschäfte. Gemacht von Leuten, die solche dubiosen Geschäfte eben machen. Damit die Manipulationen allerdings funktionieren, musste man ein wenig SF machen. Deiche sprengen, Norddeutschland absaufen lassen.
Und was dabei rauskam, das steht in diesem Roman, der sich nicht so richtig einordnen lässt. SF, Krimi, Heimatroman? Nix von allem, und doch von allem etwas. Oder so.

Auf jeden Fall können wir die Lektüre empfehlen. Locker, leicht. Fluffig. Amüsant.
Aber klar, das machen die meisten Verlage. Empfehlen. Und so.

KDP und die Meerschweinchensteuer

Der Verlag p.machinery hat bis zum 19. Mai 2019 mit kindle | direct publishing, kurz KDP, dem Print-on-Demand-Ableger von Amazon aktiv zusammengearbeitet. An diesem Tag wurde das letzte Buch – Tiny Strickers »Spieler im Park« – direkt bei KDP eingestellt. Danach wurde die Zusammenarbeit mit KDP seitens p.machinery beendet. Die Gründe für dieses Ende sind vielfältig und werden vielleicht einmal Gegenstand einer eigenständigen Veröffentlichung sein; man wird sehen.
Aktuell sind 136 Titel verfügbar, die KDP druckt und die über Amazon gekauft werden können. Man erkennt sie daran, dass Sie wie Bücher anderer Verlage erscheinen, die mit Barsortimentern arbeiten oder direkt über Amazon liefern lassen. Im Unterschied dazu gibt es p.machinery-Bücher, die nur über den Marketplace mit Aufschlag zu erhalten sind; dabei handelt es sich in der Regel um Hardcover oder besondere Formate, die KDP nicht herstellen kann. Oder will.
Diese 136 Titel werden morgen, am 30.06.2020 so weit aus dem KDP-System entfernt, dass sie über KDP und damit über Amazon nicht mehr in der gewohnten Weise verfügbar sein werden.

Der Grund ist das, was Amazon/KDP immer gemacht hat und immer macht. Es ist nur das maßgeblich, was Amazon/KDP sagt, es ist nur das richtig, was Amazon/KDP behauptet. Daraus resultiert, dass p.machinery ab 01.07. gegen die gesetzlichen Grundlagen der Preisbindung verstoßen wird, denn Amazon/KDP geht von Nettopreisen aus und schlägt der Einfachheit halber die im jeweiligen Land übliche Mehrwertsteuer auf. Das ist schön und Zeichen professioneller Faulheit.
Die Folge für p.machinery ist, dass die im VLB verzeichneten und damit gebundenen Preise, die auch auf den Buchrückseiten aufgedruckt sind, bei Amazon nicht mehr angeboten werden. Das Buch für EUR 14,90 kostet bei Amazon dann EUR 14,52 – und damit liegt ein Verstoß gegen das Buchpreisbindungsgesetz vor.
Die Alternativen für p.machinery sind, einerseits die Nettopreise für 136 Titel händisch anzupassen und andererseits, die Gelegenheit zu nutzen und die direkte Geschäftsbeziehung mit Amazon vollständig zu beenden.
p.machinery hat sich für die letzte Variante entschieden, nicht zuletzt wegen der während der Jahre bis zum Mai 2019 mit KDP gemachten Erfahrungen in deren Umgang mit Thematiken der Buchproduktion und deren Umgang mit Kunden, der vor allem von Klugscheißerei, Ameisenfickerei und ehrenrührigen Unterstellungen (Stichwort: Urheberrecht) geprägt war.

Selbstverständlich sind die Bücher nach wie vor verfügbar: im Buchhandel und beim Verlag. Und sie werden auch wieder bei Amazon auf gewohnte Weise verfügbar sein, wenn die Titel peu à peu – es wird halt eine Weile dauern – über den aktuellen Partner Bookwire auch wieder für Print-on-Demand-Angebote verfügbar gemacht worden sind.
Bis dahin hoffen wir auf Verständnis seitens unserer Kunden.

P.S.: Ganz sicher wird die Frage auftauchen, warum p.machinery-Bücher angesichts der Mehrwertsteuersenkung von 7 auf 5 Prozent nicht günstiger werden. Es gibt gute Gründe dafür, und bevor das Rad neu erfunden wird, dürfen wir auf den Beitrag des Kollegen Robert S. Plaul vom Carpathia-Verlag verweisen, den man unter diesem Link nachlesen kann.

Einer deutschen Legende zum Hundertsten

»Unser Walter« … Über die Odyssee, die dieses Buch hinter sich gebracht hat, könnte man sicherlich noch mehr schreiben. Voraussetzung dafür wären mehr Details. Oder ein vollständigerer Schriftverkehr von Wolfgang Thadewald mit dem einen oder anderen Beteiligten. Das alles ist eigentlich nicht nötig, und so hat sich der Herr Verleger in seinen »Vorbemerkungen« kurz gefasst:

Einige Worte zur Historie dieses Buches sind sicherlich angebracht, nicht zuletzt wegen eines Teils der Texte, die sich auf den Tod Walter Ernstings im Jahre 2005 beinahe in Form eines Nachrufes beziehen, jedenfalls aber Erinnerungen – sic! – darstellen.
Im März 2013 schrieb mir Wolfgang Thadewald erstmals von seinem Buch, das auf einer Idee von Jörg Weigand basierte und ursprünglich mit dem EDFC realisiert werden sollte. Jörg Weigand beendete seine Arbeit nicht, bat Wolfgang, weiterzumachen. 2010 gab es ein Angebot von Kurt Kobler vom TCE, das Buch umzusetzen, sodass Wolfgang seine Arbeiten beendete und die Materialien 2011 ablieferte.
Und wieder verging Zeit. Es liegt ein Fanzineentwurf – Wolfgang Thadewald hatte sich ursprünglich ein Fanzine vorgestellt – des TCE mit einem Vorwort aus dem Jahre 2013 vor. Das Fanzine wurde so offensichtlich nicht realisiert. Ein Teil des Materials erschien im TCE-Fanzine »Paradise«, in der Ausgabe 89, wie Wolfgang Thadewald mir schrieb.
Letztendlich übernahm ich von Wolfgang die Aufgabe, das Buch zu erstellen. Ich suchte und fand in Ulrich Blode einen (Co-) Herausgeber, der das Material noch einmal sichtete, ordnete und in Form brachte.
Und während Ulrich seine Arbeit machte, starb Wolfgang Thadewald am 1. Dezember 2014.
Und wieder verging Zeit. Viel Zeit. Anfang 2015 war Ulrich Blode fertig – und ich wusste nicht so recht, wie ich das Buch realisieren sollte. Irgendwie schien mir der Boden unter den Füßen zu fehlen.

Dass das Buch nun doch erscheint, ist Kurt Kobler zu verdanken, der mich darauf hinwies, dass Walter Ernsting am 13.06.2020 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Ein guter Grund, endlich durchzustarten – auch wenn der Geburtstag als Erscheinungstermin so nicht mehr zu realisieren ist. Aber der Juni 2020 sollte machbar sein …

Und in der Tat ist es so. Das Buch wird in den nächsten Tagen als Print (PoD) und E-Book über die üblichen Internetverdächtigen zu bekommen sein. Die p.machinery-Druckauflage dauert ein paar Tage länger; wir rechnen mit zwei Wochen von heute an.

Menschenrecht Wasser

Die Idee zum Buch basiert eigentlich nur auf einem Musikstück: dem Chicks-on-Speed-Remix von Malarias »Kaltes klares Wasser«:

malaria vs chicks on speed kaltes klares wasser

Das allein reicht kaum aus, ein Buch zu rechtfertigen. Beim Thema Wasser gibt es jedoch einen Hintergrund, der das Thema zu einem dankbaren Ansatz macht: Wasser als Menschenrecht, richtiger: der Zugriff auf Wasser als Menschenrecht. Eine Problematik, die sich weltweit stellt, nicht nur in Dritte-Welt-Ländern, wo das Problem durch grundsätzliche Verfügbarkeit, aber auch durch schlicht und ergreifend widersinnige Privatisierung der sowieso eingeschränkten Vorkommen besonders deutlich hervortritt, nein, auch in den sogenannten »westlichen Zivilisationen« – hier bei uns: die EU – ist Wasser heute noch eine Selbstverständlichkeit: Wasser trinken, mit Wasser waschen und duschen, Wasser im Garten, Wasser verschwenden … – ist das Thema Wasser und dessen Verfügbarkeit zunehmend akut. Und der Tenor der Geschichten in diesem Buch hat nicht nur etwas mit den negativen Auswirkungen des Klimawandels auf das Wasser der Welt zu tun – ganz im Gegenteil.