Mit 70 geht es erst los

Heute hat er Geburtstag, einer der deutschen Pioniere der kurzen Kurzgeschichte, der Kürzestgeschichte. Nein, nicht Herbert W. Franke ist gemeint, vielmehr Thomas Le Blanc, der Gründer der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar und »Erfinder« der »Phantastischen Miniaturen«, von denen mittlerweile deutlich mehr als 50 Bände erschienen sind. Unsere p.machinery gratuliert dem Chef der größten deutschen Sammlung fantastischer Literatur zum 70. Geburtstag am heutigen 13. August – und wie inzwischen bei uns üblich, haben wir uns dazu gemeinsam mit drei Herausgebern und zahlreichen Autoren etwas einfallen lassen:

Niehaus, Monika, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), PHANTASTISCH! PHANTASTISCH!

Outpost: Mehr Lust

Auf Amazon verschwinden ja gerne mal Rezensionen, spätestens, wenn die Amis mal wieder Tabula rasa machen, um Fakes zu vernichten. Deshalb hier eine Besprechung (5 Sterne!) von Ralf Boldt als Backup (denn wir löschen nicht Tabula rasa):

Kurzgeschichten, die Lust auf mehr machen

2. August 2021

Schon der Klappentext macht neugierig. Outpost ist die Fortsetzung des Erzählungsbandes „Dunkle Sonne“, der im Jahr 2003 den Deutschen Phantastik Preis als beste Original-Kurzgeschichten-Sammlung belegt hat.
Neben einer Erstveröffentlichung finden sich im Band neu überarbeitete Stories, die bisweilen vor mehr als dreißig Jahren erschienen sind.
Und der Leser sieht, dass der Autor auch schon vor langer zeit zu Beginn seiner schriftstellerischen Karriere gute Ideen gehabt hat und diese auch sprachlich gut umsetzen konnte. Es ist aber auch zu sehen, dass sich Gerd Frey weiterentwickelt hat. Die neueren Geschichten wirken runder und geschliffener. Spannend sind die älteren aber dennoch, weil sie eine kurze prägnante Sprache auszeichnet. Ein wenig erinnern diese an die Ultra-Kurzgeschichten des Altmeisters Herbert W. Franke.
Die Stories sind sehr unterschiedlich. Einige erzählen mehr, andere zielen auf ein überraschendes Ende. „Saatzeit“ als Beispiel erzählt von einem Vorfall auf dem Mars, der aber auch Auswirkungen auf die Erde haben kann. Diese Geschichte ist kurz und präzise. Die Umgebung oder auch die Personen werden nicht ausführlich beschrieben. Das in eine bestimmte Richtung zielende Ende ist das wichtigste.
„Der Abfallverkäufer“ ist die längste Story und erzählt humorig von einem interstellaren Abfallverkäufer. Seine Kunden wollen ihn immer übervorteilen, doch zum Schluss siegt seine Bauernschläue.
„Der Skulpturengarten“ erzählt von einem Alien, das sein Fortbestehen auf besondere Art und Weise sichern muss.
Die Geschichten in diesem Band machen Spaß. Wer Lust auf außergewöhnliche Ideen, die in meist sehr kurzer Form umgesetzt werden, hat, ist hier gut bedient. Gerd Frey versteht es, die Science-Fiction mit seinen Geschichten zu bereichern und beherrscht die kurze Form wie nur wenig andere. Und dies in einer Zeit, wo nur wenige Collections und Anthologien erscheinen und das Hauptaugenmerk auf ausgedehnte Prosa zu liegen scheint.

Frey, Gerd, OUTPOST, Dunkle Sonne 2

Eine Reminiszenz wurde erkannt

Carsten Kuhr bespricht Dieter Bohns »Zef’ihl« auf phantastiknews.de:

Dies mag auch damit zusammenhängen, dass ich vergleichbare Werke in meiner Jugend verschlungen habe. Gar viele Autoren wandten sich damals dem Topic des auf einem archaischen Planeten gestrandeten Raumschifffahrers zu, begleiteten diese dabei, den Wilden die Vorteile der Zivilisation näher zu bringen, beziehungsweise an dieser Aufgabe zu verzweifeln. Vermitteln Sie einmal einem mittelalterlichen Bauern die Vorteile einer Kanalisation, oder versuchen Sie vergessenes, weil weder in der Lehrstunde aufgepasst noch je gebrauchtes Wissen über Festungsbau, Waffenkunde, Chemie oder Medizin zu vermitteln. Eine wahre Sisyphus-Arbeit mit einigen unfreiwillig komischen Aspekten.
Nun, Dieter Bohn reiht sich in diese Phalanx an Verfassern mit entsprechenden Werken ein und er hat mich gut unterhalten. Ein paarmal holpert es sprachlich ein klein wenig; dem Text hätte eine Straffung und eine Streichung der Sklavinnen-Szenen allerdings gut zu Gesicht gestanden.
Dennoch, eine bemerkenswert gute Reminiszenz an frühere Vorbilder, die eigenständig daherkommt und letztlich gut, spannend und angereichert mit ein wenig Humor unterhält.

Mehr unter: https://www.phantastiknews.de/index.php/rezensionen/21562-dieter-bohn-der-zef-ihl-der-vom-himmel-fiel-buch

Bohn, Dieter, Der Zef’ihl, der vom Himmel fiel

 

Rezension, vertont

Tetiana Trofushas »Coming home« wurde in der Book-Review-Folge 039 des Podcast »Weltenwandler – Let’s talk about books!“ von Rahel Abebe und Stephan Berg besprochen. Abgesehen vom erfreulichen Urteil ergibt sich ein ganz neues Hörgefühl in Bezug auf Buchbesprechungen.

Drei Quellen stehen zur Auswahl:

Trofusha, Tetiana, COMING HOME

Endlich gibt’s den Franke auf die Ohren

Genau, und zwar den Herbert W. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, wird der Bayerische Rundfunk in seinem 2. Programm (vulgo: Bayern 2) drei Hörspiele des deutschen SF-Altmeisters neu ausstrahlen. Die ersten beiden Termine stehen schon fest (siehe unten); 2022 soll noch ein drittes Hörspiel gesendet werden.
Vor den jeweiligen Sendeterminen werden wir diese Information noch einmal wiederholen.

Skandal ohne Sperrbezirk

Nein, ein echter Skandal ist das Buch nicht. Aber Apple Books hat es beim ersten Band der »Greedy«-Trilogie, bei »ARKADIA«, tatsächlich geschafft, einen Skandal daraus zu machen, indem man forderte, Titelbild und Innenillustrationen aus dem E-Book zu entfernen. Was wir wiederum abgelehnt haben.
Den zweiten Band, »DARLING«, der nun erschienen ist, werden wir als E-Book bei Apple Books gar nicht erst andienen. Kunden dieses Shops schauen halt in die Röhre, aber damit können wir leben. Und der zweite Band der Trilogie widmet sich auch nicht mehr so intensiv den gesellschaftlichen Besonderheiten Arkadias – das wurde im ersten Band hinreichend erledigt –, sondern konzentriert sich auf die Computerseele eines Raumschiffs, die Darling genannt wird, und auf eine seltsame Krankheit, die sich der sexy Protagonistin Greedy bemächtigt hat.
In gewohnter Manier präsentiert Bernhard Kempen auch im zweiten Teil eine gefällige und durchaus die Fantasie anregende Geschichte, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Kempen, Bernhard, DARLING