Rezension, vertont

Tetiana Trofushas »Coming home« wurde in der Book-Review-Folge 039 des Podcast »Weltenwandler – Let’s talk about books!“ von Rahel Abebe und Stephan Berg besprochen. Abgesehen vom erfreulichen Urteil ergibt sich ein ganz neues Hörgefühl in Bezug auf Buchbesprechungen.

Drei Quellen stehen zur Auswahl:

Trofusha, Tetiana, COMING HOME

Die DSFP-2021-Nominierungen sind da

Die Nominierungen zum Deutschen Science-Fiction-Preis 2021 wurden veröffentlicht. Wir sind auch wieder dabei: T. Ellings Story »Die letzte Jungfrau« aus NOVA 29 wurde als »beste deutschsprachige Kurzgeschichte« ebenso nominiert wie Gabriele Behrends Roman »Salzgras und Lavendel« als »bester deutschsprachiger Roman«. Die Konkurrenz ist groß, jetzt gilt es, Daumen zu drücken. Weitere Details: hier.

Behrend, Gabriele, Salzgras & Lavendel

Endlich gibt’s den Franke auf die Ohren

Genau, und zwar den Herbert W. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, wird der Bayerische Rundfunk in seinem 2. Programm (vulgo: Bayern 2) drei Hörspiele des deutschen SF-Altmeisters neu ausstrahlen. Die ersten beiden Termine stehen schon fest (siehe unten); 2022 soll noch ein drittes Hörspiel gesendet werden.
Vor den jeweiligen Sendeterminen werden wir diese Information noch einmal wiederholen.

Skandal ohne Sperrbezirk

Nein, ein echter Skandal ist das Buch nicht. Aber Apple Books hat es beim ersten Band der »Greedy«-Trilogie, bei »ARKADIA«, tatsächlich geschafft, einen Skandal daraus zu machen, indem man forderte, Titelbild und Innenillustrationen aus dem E-Book zu entfernen. Was wir wiederum abgelehnt haben.
Den zweiten Band, »DARLING«, der nun erschienen ist, werden wir als E-Book bei Apple Books gar nicht erst andienen. Kunden dieses Shops schauen halt in die Röhre, aber damit können wir leben. Und der zweite Band der Trilogie widmet sich auch nicht mehr so intensiv den gesellschaftlichen Besonderheiten Arkadias – das wurde im ersten Band hinreichend erledigt –, sondern konzentriert sich auf die Computerseele eines Raumschiffs, die Darling genannt wird, und auf eine seltsame Krankheit, die sich der sexy Protagonistin Greedy bemächtigt hat.
In gewohnter Manier präsentiert Bernhard Kempen auch im zweiten Teil eine gefällige und durchaus die Fantasie anregende Geschichte, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Kempen, Bernhard, DARLING

Unnützes Wissen?

Ein Mensch, in der SF gerne als Terraner bezeichnet, baut eine Bruchlandung auf einem Planeten, deren sehr menschenähnliche Lebewesen eine mittelalterliche Kultur aufgebaut haben und pflegen. Alles, was man sich vorstellen kann, ist da: monarchistische Strukturen, Waffen sind Schwerter, Lanzen, Pfeil und Bogen, es gibt kein Schwarzpulver und damit keine Schusswaffen, es gibt vieles nicht, das Adriaan, der Protagonist, kennt – oder auch nicht kennt, jedenfalls nicht als Fachmann, sondern eher als mit einigermaßen guter Allgemeinbildung gesegneter Praktiker.
Zu seinem Glück – wie man’s nimmt – wird er von den Eingeborenen nicht massakriert, sondern integriert und schließlich zum Zef’ihl befördert, eine Art Chefwissenschaftler. Und er steht nun vor der Herausforderung, sein eben nicht ganz vollständiges Wissen zu nutzen, um dem Volksstamm, der ihn aufgenommen hat, behilflich zu sein, denn es gilt, den Angriff eines Reitervolkes zurückzuschlagen. Nicht einfach, wenn man vieles weiß, aber alles nicht so ganz genau, wenn immer wieder Details fehlen. Und natürlich die vorhandenen Strukturen manche Dinge zur Herausforderung machen, die in seiner Zivilisation selbstverständlich waren.
Und dann sind da auch noch seine Terraner, die hinter ihm her sind …

Packend – und oft fragt man sich, wie es einem selbst in so einer Situation ginge. Wüsste ich eine Armbrust zu konstruieren? Welche Ingredenzien brauche ich für Sprengstoff – und wo finde ich sie? Und viele Fragen mehr …

Bohn, Dieter, Der Zef’ihl, der vom Himmel fiel

Vorposten für Kurzgeschichten

Kurzgeschichten haben auf dem deutschen Buchmarkt einen schweren Stand, nicht nur in der Science-Fiction. Niemand mag sie, niemand liest sie, niemand kauft Kurzgeschichtensammlungen und Anthologien. Für uns ein Grund mehr, dem Markt den publizierenden Stinkefinger zu zeigen und nach dem Motto »Jetzt erst recht« einen Schwerpunkt auf Kurzgeschichten in jeder Form zu legen. Und es finden sich immer wieder gerade hier echte Perlen.

Gerd Frey ist für uns kein Unbekannter gewesen, als er uns seine Storysammlung »OUTPOST« angeboten hat, die mit dem Untertitel »Dunkle Sonne 2« auf die erste Sammlung hinweist, die Anfang der Zweitausender bei Shayol erschienen ist (und im Übrigen auch bei uns in Kürze neu aufgelegt werden wird). Seine Geschichten, die in den Jahren 2009 bis 2015 erstmals in unterschiedlichen Anthologien veröffentlicht wurden, sind kleine Schmuckstückchen, »Träumchen« würde Horst Lichter sie nennen, deren Lektüre im klassischen Sinne als »erbaulich« einzustufen ist. Im Kampf gegen den drohenden Untergang der deutschen SF-Kurzgeschichte ist »OUTPOST« auf jeden Fall ein echter Vorposten.

P.S.: Zwei der Geschichten sind älter, wurden 1990 und 1991 in »Alien Contact« veröffentlicht; sie finden sich noch einmal in dieser Sammlung, weil der 2013 veröffentlichte dritte Teil des »Abfallverkäufer« verdient hat, vollständig gelesen und verstanden zu werden.

Frey, Gerd, OUTPOST, Dunkle Sonne 2