Seelensüchtige Rezension

Veronika A. Grager hat bei LovelyBooks und Amazon eine Rezi zum Band 3 der Seelentrinkerin-Anthologie, »Seelensüchtig«, veröffentlicht

Ganz allgemein darf ich dazu anmerken, dass das Titelbild genial ist. Ausdrucksstark und für manche Leute so furchteinflößend, dass sie das Buch umdrehen, wenn sie es sehen!
Obwohl es erst ein paar Wochen her ist, dass ich dieses Buch gelesen habe, musste ich es wieder zur Hand nehmen, um eine Rezension schreiben zu können. Denn eigentlich sind nur 2 Geschichten in meinem Gedächtnis haften geblieben: die titelgebende Geschichte von Gernot Schatzdorfer, die ich persönlich für die mit Abstand beste Story dieses Bandes halte, und Elisabeth Meisters „Straßenschläferin“. Beim zweiten Blick fand ich heraus, warum.

Christian Künne: Energielevel
Die Story Mareikes, die in einen schlimmen inneren Zwiespalt gerät, hätte vermutlich auch zu meinen Highlights zählen können, wären da nicht die langatmigen Ausritte in die geistige Befindlichkeit der Protagonisten. Damit reißt er den Leser eigentlich mehr aus der Geschichte heraus, als sie dem Fortgang der Handlung dienlich sind. Schade.

Frederic Brake: New Jersey
Ist eine Endzeit-Zombie-Geschichte. Nicht so meins, das gebe ich zu. Ich mag ganz einfach Zombie-Storys nicht. Dafür kann der Autor nichts. Ansonsten handwerklich ausgezeichnet, eine Art Western, brutal, ohne viel Brimborium und am Ende kommt sogar wirklich eine Seelentrinkerin vor, irgendwie.

Gernot Schatzdorfer: Seelensüchtig
Hier handelt es sich um eine sorgfältig durchkomponierte intelligente Geschichte, in der die Seelentrinkerin ständig an ihrem inneren Zwiespalt zwischen gut und böse arbeitet. Sigrid wird erst Opfer, infiziert und dadurch selbst zur Seelentrinkerin mit unstillbarem Hunger nach immer neuen Opfern. Diese Wandlung jedoch lehnt ihre Seele ab. Der Plot lebt von ihren inneren Konflikten, der Suche nach Lösungen und der langsamen, nachvollziehbaren Wandlung. Die Geschichte besticht allerdings nicht nur durch den ausgezeichneten Plot, sondern auch durch Sprache und Stil.

Sven Lenhardt: Um deiner Selbst willen
Wie bei Christian Künne ermitteln auch hier Polizisten in mysteriösen Mordfällen. Doch hier kommt bei mir wenig Spannung auf, obwohl schreibtechnisch alles in Ordnung ist. Es gibt nichts, was nicht vorhersehbar wäre. Man liest schnell dahin und ist irgendwie froh, wenn die Story dem Ende zutröpfelt. Wobei man einräumen muss: Nach Gerhard Schatzdorfers Geschichte hätte es vermutlich jeder Autor schwer gehabt.

Elisabeth Meister: Die Straßenschläferin
Auch das eine Polizeigeschichte, aber eine ganz besondere. Kera ist eine junge Polizistin, die in einem sehr autoritären Staat der Zukunft ihren Dienst versieht und weiß, dass man einfach nur das zu tun hat, was einem angeschafft wird, ohne aufzufallen oder besonders viele Fragen zu stellen. Doch Kera macht sich, im Gegensatz zu vielen anderen, Gedanken, warum sie die Straßenschläferinnen aufspüren soll. Und sie will herausfinden, was man mit ihnen vorhat. Für mich die zweitbeste Geschichte der Anthologie. Eindringliche Schilderung vom Übergang Realität/Traum/Wahn bis zum bitteren Ende.

Stefan Goebels: Serpentize
Kann man mit möglichst vielen unverständlichen Fachbegriffen aus dem Bereichen Internet und Marketing Spannung aufbauen? Möglich. Hier klappt es jedenfalls nicht. Ich hatte Mühe, in die Geschichte hineinzukommen, fand sie langweilig bis unverständlich und hoffte auf ein schnelles Ende. Nur ein Satz aus diesem Text fand bei mir besondere Zustimmung: „Kopieren und ersetzen.“ Ja!

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