Weigand, Karla, Meine Kindheit an der Isar in München

Karla Weigand
Meine Kindheit an der Isar in München
Nachkriegserinnerungen 1944–1958
Außer der Reihe 102
p.machinery, Winnert, Oktober 2026, 268 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 531 8 – EUR 17,90 (DE)
E-Book: ISBN 978 3 95765 639 1 – EUR 5,99 (DE)

Das löbliche Unterfangen, einmal »richtig Ordnung zu schaffen«, kann oft Erstaunliches offenbar werden lassen.
Für mich bedeutete es das Eintauchen in meine Kindheitstage, in Erinnerungen an das letzte Kriegsjahr 1944 (das Jahr meiner Geburt) und die unmittelbare Nachkriegszeit, Erinnerungen, wie sie mir einerseits von Erwachsenen vor Augen geführt worden sind und dann andererseits aus meinem eigenen persönlichen Erleben stammten.
Mit am eindrücklichsten waren für mich die durch Bomben zerstörte Münchner Innenstadt, die beengten unwürdigen Wohnverhältnisse, der stetige Kampf meiner Eltern um Kleidung und Nahrungsmittel, das überall spürbare Fehlen von Geld – kurz die Folgen eines verlorenen Krieges. Zum Glück wusste ich als kleines Kind nicht, wie es unter »normalen« Verhältnissen sein konnte; es fehlte mir ja der Vergleich. Erst mit den Jahren konnte ich durch Erzählungen der Erwachsenen erahnen, wie es »vor dem Krieg« gewesen war. So beschied ich mich mit dem wenigen, was ich hatte und war glücklich mit dem, was mir gelegentlich zuteilgeworden ist.
Beim Stöbern in meinen zum Teil längst vergessenen Unterlagen gab es zu meiner großen Freude und Überraschung den Hinweis auf einen Ort, mit dem sich für mich stets Ruhe, Frieden, Zuflucht, Muße und Glück verbunden haben: Die (tatsächlich auffallend grüne!) Isar mit ihren strahlend weißen Kiesbänken und ihren wunderschönen Auen, vor allem flussaufwärts, hat mich durch meine frühe Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter begleitet und ist für mich in gewissem Maße – freilich neben vielen anderen – bis heute gewissermaßen ein Ort der Sehnsucht geblieben.